Rosch Hashana29.09.2019 – 02.10.2019
Rosch Haschana ist der jüdische Neujahrstag. Rosch Haschana ist laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr und man tritt mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott.
Jom Kippur08.10.2019 – 09.10.2019
Zehn Tage nach Rosch Haschanah begehen wir den Tag der Versöhnung, Jom Kippur, der auch Schabbat der Schabbate genannt wird, der höchste der Feiertage. Er steht am Ende einer 40-tägigen Zeit der Reue und der Buße, nachdem unsere Vorfahren das Goldene Kalb am Fuß des Berges Sinai gemacht und angebetet hatten, – eine der schwersten Verfehlungen Israels in seiner Beziehung zu G’tt. G’tt hatte dem Volk nach dieser Zeit der Umkehr verziehen und Seinen Bund mit Israel erneuert und diesen Tag für alle Zeiten zum Tag der Versöhnung bestimmt.
Sukkot13.10.2019 – 20.10.2019
Auf Jom Kippur folgt Sukkot, das Laubhüttenfest. Es wird “die Zeit unserer Freude” genannt, denn die Torah bestimmt es als eine Zeit der Freude: “sei fröhlich an deinem Feste … du sollst voll Freude sein”. Sieben Tage lang feiern wir lebhaft in der Sukka, der Laubhütte. Diese Woche baut einen Vorrat an belebender Freude für alle Wochen des kommenden Jahres auf.
Schmini Azeret, Simchat Thora20.10.2019 – 22.10.2019
Der achte und neunte Tag von Sukkot sind Schmini Azeret und Simchat Thora. Simchat Thora ist der ausgelassene und freudige Höhepunkt, an dem wir das Ende des Zyklus der Torahlesungen mit Tänzen und viel Freude feiern.
Chanukka22.12.2019 – 30.12.2019
Chanukka oder Lichterfest ist ein acht Tage dauerndes, jährlich gefeiertes jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Es beginnt am 25. Tag des Monats Kislew.
Die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, sollte niemals erlöschen. Nach der späteren Überlieferung war aufgrund der Kämpfe mit den Seleukiden nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden. Dieses Öl reichte für gerade mal einen Tag. Für die Herstellung neuen geweihten Öls werden acht Tage benötigt. Durch ein Wunder habe das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Daran erinnern die acht Lichter des 8- bzw. 9-armigen Leuchters Chanukkia. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht brennen.
Als Alexander der Grosse im Jahre 3448 (313 v.d.Z.) Frieden mit Jerusalem schloss, zahlten wir unsere Steuern und kümmerten uns um unsere eigenen Angelegenheiten. Schliesslich kam der grössenwahnsinnige Antiochus Epiphanes an die Macht. Der Beiname Epiphanes bedeutet “der Еrschienene”, und Antiochus konnte es nicht ertragen, dass irgendjemand ausser ihm eine Beziehung zu irgendeinem G-tt hatte. Er plünderte unseren heiligen Tempel in Jerusalem und verbot die Beschneidung, die Einhaltung des Schabbats und das Tragen von Tefillin – und alles, was mit jüdischer Identität und unserer Beziehung zu dem einzigen und nicht greifbaren G-tt zu tun hat.
Viele Juden widersetzten sich diesen Anordnungen und star-ben als Märtyrer. Schliesslich liess Antiochus in den Städten Zeus-Statuen aufstellen und verlangte, dass alle sie anbeten sollten. Im Jahre 3621 (164 v.d.Z.), revoltierte eine Familie von Kohanim aus der Dynastie der Hasmonäer. Sie nannten sich selbst Makkabäer. Das war das erste Mal, dass ein Krieg nicht für Land oder Macht geführt wurde, sondern für religiöse Freiheiten und Rechte. Das Problem war, dass die fünf Makkabäer-Brüder der mächtigsten Armee der Welt nicht gewachsen waren. Das Wunder war, dass sie trotzdem siegten.
Das Problem war, dass die Griechen noch mehr Truppen und sogar gepanzerte Elephanten einsetzten. Das geradezu absurd erscheinende Wunder war, dass die Makkabäer weiterhin siegten. Es gelang ihnen, die Griechen aus Jerusalem zu vertreiben, den entweihten Tempel zu reinigen und die Unabhängigkeit zu erklären. Als die Makkabäer Jerusalem zurückeroberten und den heiligen Tempel betraten, fanden sie ein schreckliches Durcheinander vor: überall Götzenbilder, zerstörte Gegenstände. Also machten sie Ordnung und weihten den Tempel wieder ein.
Das Problem war, dass für die grosse goldene Menora reines
Olivenöl gebraucht wurde, das nicht von Menschen berührt worden war, die tame („rituell unrein“) waren. Die Griechen hatten jedoch alles Öl im Tempel entweiht. Nun kam das beste Öl aus den Olivenhainen in Tekoa – drei Tagesreisen entfernt. Niemand wollte zweitklassiges Öl verwenden, aber so lange warten wollte man auch nicht.
Und wieder geschahen Wunder. Man fand im Tempel doch noch eine verstecktes Fläschchen reines Olivenöl, sogar mit dem Siegel des Hohepriesters. Und obwohl der Inhalt eigentlich nur gerade für einen Tag genügte, reichte das Öl für acht Tage, bis neues Öl aus Tekoa angekommen war.
Unsere Chanukka-Leuchter sehen vielleicht einfach aus, aber wenn wir sie richtig verwenden, sind sie ein machtvolles Mittel, das Universum mit einem besonderen, übernatürlichen Licht zu füllen. Dadurch können wir Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte in der Welt mehren und die Kräfte der Finsternis erheblich schwächen. Und so geht es:
1. Alle Lichter der Chanukka-Menora sollten auf gleicher Höhe und in einer geraden Linie stehen. Nur der Schamasch (Diener) muss deutlich höher oder tiefer sein als die übrigen Lichter.
2. Der beste Ort für eine Menora ist an der Eingangstür gegenüber der Mesusa. Man kann sie auch in ein Fenster stellen, das von der Strasse aus sichtbar ist.
3. Eine Familie gilt als eine Einheit, so dass der Ehemann für alle die Lichter zünden kann. Familienmitglieder, die allein wohnen, brauchen eine eigene Menora. Um die Kinder aktiv zu beteiligen, dürfen Sie sie selbst Lichter zünden lassen.
4. Am ersten Abend zündet man ein Licht am rechten Ende der Menora an. Jeden Tag fügt man links von den bisherigen Lichtern ein weiteres hinzu und zündet es als erstes an.
5. Die korrekte Zeit für das Lichtzünden ist Nachteinbruch. Die Lichter sollen noch mindestens eine halbe Stunde da- nach brennen. Man kann sie auch früher anzünden, muss aber darauf achten, dass sie bis eine halbe Stunde nach Nachteinbruch brennen.
6. Am Freitag muss man die Chanukka-Lichter und die Schabbat-Lichter rechtzeitig vor Sonnenuntergang anzünden, weil das nach Schabbat-Eingang verboten ist. Damit die Lichter lange genug brennen, muss man gegebenenfalls längere Kerzen oder mehr Öl nehmen.
7. Wenn man erst nach Nachteinbruch nach Hause kommt, kann man die Chanukka-Lichter immer noch mit einem Segensspruch (Beracha) anzünden, solange noch andere Menschen sie sehen können.
Danach zündet man die Lichter ohne Segensspruch an.
Vor dem Zünden der Lichter sagt man:
1. Baruch atta A–donaj E–lohéjnu mélech ha-olam ascher kiddeschánu be-mitzwotaw weziwánu lehadlik ner (schel) chanukka.
Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, der Du uns durch Deine Gebote geheiligt und uns befohlen hast, das Chanukka-Licht anzuzünden.
2. Baruch atta A–donaj E–lohéjnu mélech ha-olam sche-assa nissim la-awotéjnu ba-jamim ha-hem baseman ha-seh.
Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, der Du unseren Vätern Wunder erwiesen hast, in jenen Tagen zu dieser Zeit.
3. Baruch atta A–donaj E–lohéjnu mélech ha-olam sche-hechejánu we-kijemánu wehiggi’ánu la-seman ha-seh.
Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, der Du uns Leben gegeben und uns erhalten hast und zu diesem Tag hast gelangen lassen.
Nach dem Zünden der Lichter sagt man Ha-nerot hallalu:
Hanerot halalu anu madlikin, al hateshuot weal hanisim, weal haniflaot, she-asita la-awotenu bajamim hahem bisman hase, al jedei kohanecha hekedoshim. Wechol shemonat jemei Chanukka hanerot halalu kodesh hem. Wein lanu reshut lehish-tamesh bahen, ela lir-otan bilwad. Kedei lehodot ulehalel leshimcha hagadol, al nisecha, weal nifleotecha, weal jeshuotecha.
Diese Lichter zünden wir an wegen der Wunder, Siege und allmächtigen Taten, die Du für unsere Väter durch Deine heiligen Priester vollbracht hast. Alle acht Tage Chanukka sind diese Lichter heilig, und es ist uns nicht erlaubt sie zu benutzen, wir dürfen sie nur betrachten, um Deinem Namen zu danken, für Deine Wunder, Deine Hilfe und Deine allmächtigen Taten.
Tu BiSchwat10.02.2020
Tu Bischwat (ט״ו בשבט) bedeutet wörtlich „der 15. Schevat“. In moderner Zeit werden an diesem Tag Bäume angepflanzt. Es ist Brauch, an diesem Tag eine Frucht zu essen, die man in diesem Jahr bisher noch nicht verzehrt hat. Das Fest geht zurück auf die Mischna. Dort heißt es, das Haus Hillels bestimmte den 15. des Monats Schevat zum Neujahrsfest der Bäume (mRH 1,1).
Es ist ein Tag, an dem Früchte/Fruchtsalat gegessen werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Tradition, die im Buch Chemdat ha-Jamin ihren Niederschlag fand, später noch in dem Buch Pri Etz Hadar, das die Aggada des 15. Schevat wurde. In der Diaspora ist es Brauch, möglichst fünfzehn Früchte, die an das Land Israel erinnern, zusammenzustellen und zu verzehren.
Es gibt Juden, die an diesem Tag bis zu fünfzig verschiedene Arten von Früchten essen. Auch heute deckt man am 15. Schwat den Tisch, indem man die schönsten Früchte aus dem Land Israel aufträgt, insbesondere jedoch die „sieben Arten“ mit denen das Land gesegnet war. Dabei versucht man, frische Früchte zu finden, die man in diesem Jahr noch nicht gegessen hat, damit man über sie den Segensspruch שהחינו Schehechejanu ‚Der uns am Leben erhalten hat‘ sagen kann. An Tu Bischwat ist es auch verboten zu fasten, und man spricht auch keine Trauerrede. Vorausgesetzt, dass es kein Sabbatjahr (Brachjahr) ist, in dem jede Feldarbeit verboten ist, fährt man ins Grüne, und oft pflanzt man neue Bäume.
Purim09.03.2020 – 10.03.2020
Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester führt jedoch durch Fasten und Gebet die Rettung herbei.
Das Festessen
Es war im Jahre 365 v.d.Z. in der persischen Hauptstadt Schuschan. Der König Achaschwerosch gab in seinem Palast eine Reihe von üppigen Festessen, zu denen sogar viele Juden kamen. Berauscht von der Begeisterung der Festivitäten, dem ständigen Trinken und den Ausschweifungen, befahl König Achaschwerosch seiner Königin Waschti, sich den Gästen zu zeigen – mit nichts bekleidet ausser ihrer Krone. Waschti weigerte sich. Der König war über diese Unverschämtheit so erzürnt, dass er sich mit seinen Ministern beriet und Waschti hinrichten liess.
Die Wahl einer Königin
Nun brauchte der König eine neue Königin. Achaschwerosch liess alle schönen Mädchen des Landes zum Palast bringen, damit er sich eine Frau wählen konnte. Er entschied sich für Esther (Hadassa), die Nichte von Mordechai, der zu den wichtigsten Persönlichkeiten im jüdischen Volk gehörte. Mordechai riet Esther, ihre jüdische Identität zu verschweigen, um den Juden besser helfen zu können, und so hielt sie sich im Geheimen an die jüdischen Vorschriften. Eines Tages hörte Mordechai, wie zwei Diener planten, den König zu vergiften. Er erzählte Esther von der Verschwörung, und sie informierte den König. Der Plan wurde vereitelt, und es wurde in der königlichen Chronik vermerkt, dass Mordechai den König gerettet hatte.
Hamans Plan
Mittlerweile wurde Haman, ein Nachfahre von Amalek, der oberste Minister am königlichen Hof. Durch einen königlichen Erlass wurden alle im Palast gezwungen, sich vor Haman zu verbeugen. Mordechai weigerte sich jedoch, weil Haman ein Götzenbild auf der Brust trug. Das machte Haman so wütend, dass er einen Plan ersann, alle Juden im persischen Reich zu ermorden. Er warf Lose (hebräisch „Purim“), um den Tag zu bestimmen, an dem das Massaker stattfinden sollte – es war der 13. Tag im jüdischen Monat Adar. Ausserdem liess Haman einen Galgen speziell für Mordechai errichten.
Esthers Bitte
Als Mordechai von dem bösen Plan erfuhr, ging Mordechai – und mit ihm die Juden von Schuschan – in Sack und Asche als Zeichen der Trauer. Er sagte Esther, sie müsse sich beim König für ihr Volk einsetzen. Ungeladen vor dem König zu erscheinen, war jedoch sogar für die Königin ebensgefährlich. Esther bat alle Juden, drei Tage lang zu fasten, zu beten und Busse zu tun. Danach ging Esther zum König und lud ihn und Haman zu einem privaten Festmahl ein. Als sie bei ihr zu Gast waren, lud sie sie zu einem weiteren Essen am nächsten Abend ein.
Die schlaflose Nacht
In jener Nacht konnte der König Achaschwerosch nicht schlafen und bat daher seine Diener, ihm aus der Chronik vorzulesen. Als sie zu dem Vorfall kamen, bei dem Mordechai ihm das Leben gerettet hatte, stellte sich heraus, dass Mordechai dafür nie eine Belohnung bekommen hatte. Der König bat Haman, einen Vorschlag zu machen, wie man jemanden am besten ehren könnte. Haman dachte, der König wolle ihn ehren – und war wütend und entsetzt, als er erfuhr, dass die Ehrungen, die er sich selbst zugedacht hatte, Mordechai erwiesen werden sollten.
Das zweite Festmahl
Bei dem nächsten Festmahl bat Esther den König, sie selbst und ihr Volk am Leben zu lassen. Überrascht fragte der König, durch wen sie denn bedroht sei. Sie erwiderte, es sei kein anderer als der böse Haman. Haman wurde sofort an den Galgen gehängt, den er für Mordechai vorgesehen hatte. Die Megilla ist nach der Königin Esther benannt, weil sie so viel G”ttvertrauen, Klugheit und Mut zugunsten des jüdischen Volkes bewies.
Das grosse Finale
Obwohl Haman tot war, konnte sein Dekret gegen die Juden nicht aufgehoben werden. Es wurde aber ein neues Dekret erlassen, das es den Juden gestattete, sich gegen ihre Feinde zu verteidigen. Sie errangen einen überwältigenden Sieg, und die Anhänger des bösen Haman erlitten eine vollständige Niederlage. Der 14. Tag des Monats Adar wurde als Purimfest festgesetzt, um das grosse Wunder der Errettung unseres Volkes zu feiern und daran zu erinnern.
Eine Geschichte für heute
Die Purimgeschichte ist mehr als ein aufregendes historisches Abenteuer. Sie zeigt, wie G”tt die Welt lenkt und für Sein Volk sorgt. Wir erzählen sie Jahr für Jahr, weil sie für uns relevant ist und hervorhebt, dass G”tt sogar in Einzelheiten unseres alltäglichen Lebens eingreift.
Kinder
Purim ist ein Feiertag für Kinder. Kinder verkleiden sich, um zu zeigen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint, und dass etwas, was schlecht aussieht, in Wirklichkeit gut sein kann. Sie hören die Lesung der Megilla, geben Zedaka, helfen, ‘Mischloach Manot’-Geschenke zu verteilen und geniessen die lebhafte Purimfreude.
Lesung der Megilla
Megillat Esther (die Esther-Rolle) ist ein Bericht aus erster Hand. Esther und Mordechai erzählen von Hamans Plan, das gesamte jüdische Volk zu vernichten, und davon, wie er durch ein Wunder bezwungen wurde. An Purim hören wir die Lesung der Megilla zweimal. Achten Sie darauf, dass Sie kein Wort verpassen! Die Lesung ist ein interaktives Ereignis: Wenn der Name Haman genannt wird, machen wir mit Purimrasseln oder auch mit unseren Füßen Lärm, um seinen bösen Namen zu übertönen.
Festliche Mahlzeit
Purim wird mit einer festlichen und freudigen Mahlzeit gefeiert. Zu den traditionellen Speisen gehören Suppe mit Kreplach (gefüllten Knödeln) und Hamantaschen – ein dreieckiges Gebäck mit einer Füllung aus Früchten oder Nüssen. Die verborgenen Füllungen erinnern uns daran, dass G-ttes ständige Gegenwart in der ganzen Purim-Geschichte verborgen war und sich nicht offen zeigte.
Geschenke für Freunde
Purim ist eine Zeit, in der wir Einheit und Freundschaft unter uns Juden feiern. Wir schicken Päckchen mit mindestens zwei verschiedenen, ohne Zubereitung essbaren Speisen (z.B. Hamantaschen und Obst oder ein Getränk) an mindestens einen Freund; dabei schicken Männer Geschenke an Männer und Frauen an Frauen. Traditionell werden diese Geschenke, Mischloach Manot, durch einen Boten geschickt; Kinder machen das sehr gerne.
Gaben für die Armen
Das ganze Jahr ist es eine Mitzwa, Zedaka zu geben, aber besonders an Purim. Man sollte wenigstens zwei bedürftigen Personen am Tag von Purim etwas geben. Am besten übergibt man das Geschenk direkt. Wenn das nicht möglich ist, kann man wenigstens einige Münzen in eine Zedaka-Büchse stecken. Es ist gut, wenn schon kleine Kinder diese Mitzwa erfüllen.
Fasten Esther
In Erinnerung an das dreitägige Beten und Fasten der Juden in Persien nach dem Bekanntwerden von Mordechais Dekret fasten wir vor Purim.
Pessach08.04.2020 – 16.04.2020
Pessach gehört zu den Hochfesten im jüdischen Kalender. Das mehrtägige Fest erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Für die Juden gilt Pessach als Beleg für eine besondere Verbindung zwischen den Juden und Gott, da er in die Geschichte ihres Volkes eingegriffen habe.
Am Seder-Abend, dem Auftakt zu Pessach, findet ein längerer häuslicher Familiengottesdienst nach einer genau vorgezeichneten Ordnung (=seder) statt. Die Familie trifft sich zu einem festlichen Essen mit symbolischen Speisen und Erzählungen aus der Bibel. Deshalb liegt an jedem Platz eine Haggadah, ein Büchlein mit den Erzählungen aus der jüdischen Geschichte, meist reich bebildert. Den Abschluss des Abendessens bildet ein symbolischer Nachtisch: ein Stück Mazza, das zuvor beiseite gelegt wurde. Oft verstecken die Kinder, die an der Feier teilnehmen, dieses Stück. Bevor es weitergehen kann, muss es mit einem kleinen Geschenk ausgelöst werden.
Unsere Geschichte beginnt vor 3500 Jahren, als unser Vorvater Jaakov mit seinen Söhnen und der ganzen Familie, insgesamt 70 Personen, wegen einer Hungersnot nach Ägypten kam. Dort empfing ihn sein Sohn Josef, der damals Stellvertreter des Pharao war. In Ägypten wurde aus der Familie ein großes Volk.
Nachdem Josef und der Pharao gestorben waren, bestieg ein neuer Pharao den Thron. Dieser neue König Ägyptens versklavte die Nachkommen von Jaakov, die „Volk Israel” genannt wurden. Er zwang sie zu harter Arbeit in der Stadt und auf dem Feld. Das Volk Israel jedoch vermehrte sich stark. Da befahl der Pharao, alle neugeborenen Jungen der Hebräer im Nil zu ertränken. Mehr als 100 Jahre dauerte die schreckliche Sklaverei. Schließlich offenbarte sich G-tt Mosche und beauftragte ihn, vom Pharao die Freilassung des Volkes Israel zu fordern.
Der Auftrag war schwer. Der Pharao war mit der Freilassung nicht einverstanden. Erst nach zehn wundersamen Schlägen, die Mosche über den Pharao und das ägyptische Volk brachte, musste der Pharao nachgeben und das Volk Israel ziehen lassen. Die zehnte Plage war die schlimmste. In der Nacht zum 15. Nissan, um Mitternacht, tötete G-tt alle Erstgeborenen der Ägypter; alle Söhne der Israeliten verschonte er. Um Mitternacht kam der Pharao zu Mosche und sagte ihm: Ihr seid frei!
Die Vorbereitungen für den Auszug mussten in großer Eile geschehen. Das Volk Israel hatte keine Zeit, Teig für Brote gehen zu lassen und musste Brote aus ungesäuertem Teig mit auf den Weg nehmen.
Am 15. Nissan im Jahr 2448 der Erschaffung der Welt (1312 Jahre vor der neuen Zeitrechnung) zogen 600.000 Männer, sowie Frauen und Kinder auf dem Weg aus der Sklaverei in die Freiheit aus Ägypten aus, und eine Reihe von Ägyptern schloss sich ihnen an.
Zur Erinnerung an diese Ereignisse wird in der Tora geboten, jedes Jahr in dieser Zeit das Pessach-Fest mit einer großen Festmahlzeit zu feiern. An diesem Abend erzählen die Eltern ihren Kindern die Geschichte von Sklaverei, Wundern und Befreiung. Wir essen dazu ungesäuerte Brote – Matzot – und bittere Kräuter, die an das schwere Leben unserer Vorfahren erinnern. Und wir trinken vier Becher Wein. Solange der Tempel stand, wurden auch Schafe geopfert und gegessen.
In der ganzen folgenden Woche ist es verboten, Gesäuertes (Chametz) aus Getreide (Weizen, Gerste, Dinkel, Hafer, Roggen) zu besitzen, zu essen oder zu nutzen.
Was ist Chametz?
“Chametz” ist „gesäuertes Getreide” und meint alle nicht vor Säuerung (Fermentierung) geschützten Esswaren und Getränke aus Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel oder aus daraus hergestellten Produkten. Während aller Pessach-Tage dürfen wir jegliches Chametz weder besitzen noch essen noch sonstigen Nutzen davon haben.
Wie wird die Wohnung von Chametz frei?
Vor Pessach haben wir die Aufgabe, alles Chametz zu suchen und alles Chametz,dasin unserem Besitz ist, zu vernichten. Auch das ist Chametz: Frühstücks-Cerealien, Nudeln, Cracker, Teig- Mischungen, Lakritz, Bier, Whisky, Wodka, Essig (ohne Pessach- Hechscher). Lieblings-Verstecke von Chametz: Manteltaschen (vor allem der Kinder), Rucksäcke, Laptop-Koffer, Handtaschen, Autos, Kissen, Ecken in der Küche, Schubladen, Ritzen in Stühlen und Tischen, Spielzeuge.
Beschränken Sie sich auf den Chametz-Bereich. Sie müssen nur an Orten suchen, an die man manchmal Chametz bringt.
Halten Sie das Chametz in Quarantäne: Jeder Raum kann für die acht Tage versiegelt werden, und das darin befindliche Chametz kann verkauft werden.
Verkaufen Sie Ihr Chametz bis zum 18. April.
Der Verkauf von Chametz
Sie denken vielleicht: „Und was ist mit meinem 30 Jahre gereiften Whisky, meinem selbstgebrauten Bier und den Chametz-Kunstwerken der Kinder?” Aber wir haben eine gute Nachricht für Sie: Sie müssen nicht all Ihr Chametz vernichten. Es genügt, dass es Ihnen während der Pessach-Tage nicht gehört. Legen Sie also alles Chametz, das Sie behalten wollen
Dann verkaufen Sie das Chametz einem Nichtjuden und vermieten ihm den Schrank oder Raum. Viele Rabbiner bieten an, diesen Verkauf in Ihrem Auftrag so durchzuführen, dass er nach jüdischem und staatlichem Recht bindend ist. Unmittelbar vor Pessach verkauft der Rabbiner alles Chametz, und sobald die Feiertage vorbei sind, kauft er es zurück.
Einkauf
Alle verarbeiteten Lebensmittel, die Sie an Pessach essen (und auch während des ganzen Jahres), brauchen ein Pessach-Kaschrut-Zertifikat. In der Jüdischen Gemeinde wie im Chabad-Zentrum können Sie verschiedene Produkte für Pessach kaufen. Obst, Gemüse und andere rohe Lebensmittel sind an Pessach erlaubt (Kitniot, d.h. Hülsenfrüchte und dergleichen, werden jedoch von aschkenasischen (europäischen) Juden nicht gegessen – fragen Sie Ihren Rabbiner nach Einzelheiten.) Da bietet es sich an, acht Tage lang gesund zu leben und auf Fertigprodukte zu verzichten.
Die Pessach-Küche
Die Küche für acht Tage Chametz-frei zu machen, ist eine große Umstellung. Wenn Sie das noch nie gemacht haben, wenden Sie sich am besten an einen Rabbiner.
Esswaren, Geschirr, Besteck und Küchenutensilien, die sie während des ganzen Jahres benutzen, werden weggeschlossen.
Am besten kaufen Sie besonderes Geschirr und Besteck für Pessach. Wenn Sie Kochgeschirr oder Besteck an Pessach benutzen wollen, hilft Ihnen Ihr Rabbiner, es auf korrekte Art und Weise koscher zu machen. Dann können Sie die leeren Regale mit Leckerbissen füllen, die kascher Hfl le-Pessach sind. Tische, Arbeitsflächen, Spülbecken, Herdplatten usw. müssen Sie kaschern, d.h. durch Wasser oder Hitze alles Chametz beseitigen, das sie aufgenommen haben. Man kann sie zusätzlich mit dicker Folie abdecken.
Suchen, verbrennen und für nichtig erklären
Bedikat Chametz, die förmliche Suche, macht man in der Nacht vor Pessach. Am folgenden Morgen wird das restliche Chametz verbrannt und für nichtig erklärt.
Und so ist das Ritual:
Donnerstag Abend legen wir eine Kerze (oder Taschenlampe), eine Feder, einen Holzlöffel und eine Papiertüte bereit, versammeln die Familie und sprechen vor dem Beginn der Suche den Segensspruch:
Baruch atta Ado-naj E-Iohejnu melech ha-olam ascher kiddeschänu be-mitzwotaw we-ziwänu al bi’ur chametz.
“Gelobt seist Du, Ewiger, unser G”tt, König der Welt, der uns durch seine Gebote geheiligt hat und uns befohlen hat,Chametz zu beseitigen.”
Mit der Kerze suchen wir alle Ecken und Ritzen der Wohnung nach Brotkrumen und anderem Chametz ab; was wir finden, schieben wir mit der Feder auf den Holzlöffel und tun es in die Papiertüte. Damit es nach dem Pessach-Putz noch etwas zu finden gibt, werden in manchen Familien vor der Suche zehn fest in Papier eingewickelte Stücke Chametz versteckt (aber man sollte aufschreiben, wo!). Am Ende der Suche kommen die Feder und der Holzlöffel zum Chametz in die Papiertüte. Dann sagt man (in einer Sprache, die man versteht):
“Aller Sauerteig und alles Gesäuerte, das sich in meinem Besitz befindet, das ich nicht gesehen und nicht weggeschafft habe, soll als nicht vorhanden und dem Staub der Erde gleich betrachtet werden.”
Am nächsten Morgen isst man zum letzen Mal Chametz und verbrennt dann die ganze Papiertüte und alles andere Chametz. Dann sagt man:
“Aller Sauerteig und alles Gesäuerte, das sich in meinem Besitz befindet, das ich gesehen und das ich nicht gesehen, das ich weggeschafft und das ich nicht weggeschafft habe, soll als nicht vorhanden und dem Staub der Erde gleich betrachtet werden.”
Was ist fast so gut wie eine Zeitmaschine?
Ein Seder. Denn bei einem authentischen Pessach-Seder erzählt man nicht nur von dem Auszug aus Ägypten, sondern man erlebt ihn. Du selbst machst die Erfahrung. Du selbst bist dabei. Du isst genau die gleiche Matza wie unsere Vorfahren. Sie wurde so schnell hergestellt, dass der Teig nicht gären konnte. Du erzählst die gleichen Geschichten. Du spürst die gleiche Erwartung. Und du machst die gleiche spirituelle Erfahrung.
Der freundliche Reiseführer für das alte Ägypten
Für unsere Reise in die Vergangenheit (oder ist es umgekehrt und die Vergangenheit kommt in unser Leben hinein?) gibt es ein nützliches Handbuch, das „Die Erzählung” heißt – “Haggada” auf Hebräisch. Während wir Sklaverei und Befreiung hier und jetzt in unserer hochtechnisierten Welt nachleben, sagt uns die Haggada genau, wo wir sind, wann und warum.
Erleben Sie Pessach auf Ihre eigene Weise
Egal, ob Sie ein gläubiger Mensch sind, ein hartnäckiger Skeptiker, ein harmloser Zuschauer oder jemand, i dem nichts Besonderes auffällt – die Haggada spricht Sie an. Sie spricht sogar Kinder an (und vor allem das Kind in Ihnen), mit vielen Bräuchen, die den Seder interessant machen.
Die Details
Wenn Sie einen interessanten Pessach-Seder erleben wollen, können Sie in Hannover zu einem öffentlichen Seder wahlweise in die Jüdische Gemeinde oder in Chabadzentrum gehen. Aber wenn Sie einen Seder zu Hause machen wollen, geben wir Ihnen einige Hinweise:
Pessach dauert acht Tage: und so geben Sie ihnen Bedeutung.
Trinken und essen
Es gibt eine Mitzwa, an jedem Tag Pessach einen Becher Wein zu trinken.
Ferien von der Arbeit
Um die Heiligkeit des Feiertags deutlich zu machen, arbeiten wir an den ersten beiden und den letzten beiden Tagen nicht. An den vier Tagen in der Mitte (Chol ha-Moed) sind nur bestimmte Tätigkeiten erlaubt, z.B. solche, die für das Fest nötig sind.
Countdown
Von dem Tag des Auszugs aus Ägypten, hat das jüdische Volk erwartungsvoll bis zu dem Tag gezählt, an dem es die Tora bekam – insgesamt 49 Tage. Seitdem wiederholen wir das jedes Jahr: Beginnend mit der zweiten Seder-Nacht zählen wir die Tage und die Wochen. Jeder Tag repräsentiert eine höhere Stufe in der geistigen Vorbereitung auf den Höhepunkt: das Schawuot-Fest, das an die Gabe der Tora erinnert.
Die ganze Nacht
Zur Erinnerung an den Durchzug durch das Schilf-Meer bleiben wir in der siebten Nacht Pessach (in der Nacht zum 26. April) so lange wie möglich auf und vollziehen so auf besondere Weise dieses Ereignis symbolisch nach.
Gedenken an die Vorfahren
Ohne unsere Vorfahren hätten wir Pessach nicht – und es würde uns gar nicht geben. Wir gedenken ihrer Seelen mit dem besonderen Jiskor-Gebet in der Synagoge am achten Tag Pessach.
Lag BaOmer20.05.2020
Am zweiten Tage des Pessachfestes wurde im Jerusalemer Tempel das Omer dargebracht, das Opfer der Wintergerste. Von diesem Termin zählt man sieben Wochen bis zum Wochenfest (Scha- wuot). Diese Zählung, für die es eine festgelegte Formulierung gibt und der ein Segensspruch vorangeht, erfolgt täglich, nachdem die Dunkelheit angebrochen ist; die erste Zählung findet am zweiten Sederabend gegen Ende der häuslichen Feier statt. Nach dem Gerstenopfer heißt die Periode dieser Zählung die Omerzeit; der neunundvierzigste Tag im Omer ist der Tag vor Schawuot.
Die Zeit der Omerzählung gilt als eine Trauerzeit, in der man Lustbarkeiten vermeidet. Im Talmud wird als Begründung darauf hingewiesen, daß in dieser Periode vierundzwanzigtausend junge Gelehrte, die Schüler des Rabbi Akiba waren, einer Seuche zum Opfer fielen. Akiba spielte eine führende Rolle beim Bar- Kochba-Aufstand zur Zeit des römischen Kaisers Hadrian. In der Liturgie der in die Omerzeit fallenden Sabbate wird in speziellen Dichtungen vor allem der jüdischen Opfer der Kreuzfahrer in den Jahren 1096 und 1146 gedacht.
Ausgenommen von der Trauer ist der 33. Tag im Omer (Lag ba- Omer, Lag ist eine Abbreviatur aus dem hebräischen Buchstaben Lamed = 30 und Gimel = 3), an dem nach der Tradition die Seuche aufhörte, die die Schüler des Rabbi Akiba befallen hatte. Darum gilt dieser Tag, der auf den 18. Ijjar fällt, als ein Freudentag. Während an den übrigen Tagen der Omerzeit keine Ehen geschlossen werden, ist das an Lag ba-Omer gestattet, so daß sich dieser Tag durch eine Vielzahl von Hochzeiten auszeichnet.
Omer-Tag ist auch der Todestag von Rabbi Simeon bar Jochai (Raschbi), eines berühmten Tannaiten der vierten Generation. Der Überlieferung zufolge stieg er an seinem Todestag direkt in den Himmel auf, und deshalb wird das Fest zu seinen Ehren als „Hillula de Raschbi“, als Freudenfest des Zaddik (des Gerechten) bezeichnet. Massenfreudenfeste mit Liedern, Tanz und Gebeten.
Der 33. Omer-Tag ist auch die Nacht der vielen Fackeln. Die größte wird über dem Grab des Raschbi in Meron in Obergaliläa angezündet. Der wichtigste Grund, warum diese Fackeln angezündet werden, ist die Tatsache, dass der Raschbi als der Hauptverfasser des Buches der Kabbala gilt, des so genannten „Sohar“.
Die Kinder „bewaffnen“ sich: Es ist auch üblich, dass die Kinder an diesem Tag, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, auf die Felder und in die Wälder ziehen. Dieser Brauch erinnert an die Kämpfer im Bar-Kochba-Aufstand.
Schawuot28.05.2020 – 30.05.2020
Schawuot (hebräisch Wochenfest) ist das jüdische Fest. Es gehört zu den Wallfahrtsfesten, genauso wie Pessach und Sukkot. Schawout hat eine historische und eine naturbezogene bzw. landwirtschaftliche Bedeutung.
Die religiös-historische Komponente von Shawout erinnert an eine der größten Ereignisse in der jüdischen Geschichte – Offenbarung am Berg Sinai und die Verkündigung der 10 Gebote. Schawuot ist somit das “Fest der Thoragebung”. Diese Gebote gehören zu den ersten formulierten Sittengesetzen in der Geschichte der Menschheit und haben die Ethik, die Rechtsgeschichte und die Kulturgeschichte Europas und des außereuropäischen Westens mitgeprägt. Auf der Anerkennung der 10 Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen G-tt und “seinem Volk”.
Die zweite Bedeutung von Schawuot liegt darin, dass dieses Fest das Ende der Gersten- und den Beginn der Weizenernte markiert. Es ist der Tag, an dem neues Getreide und neue Früchte an die Priester im Tempel übergeben wurden. Somit ist dieses Wochenfest auch das “Fest der Ernte”. Die Weizenernte beginnt in Israel Ende Mai/Anfang Juni. Schawuot wird am 50. Tag nach Pessach gefeiert. Moses erhielt 49 Tage nach der Herausführung der Israeliten aus Ägypten am Berg am Berg Sinai die zehn bekannten und viele weitere Gebote von G-tt.
Das Wochenfest umfasst zwei Festtage und wird jeweils am 6. und 7. Siwan gefeiert. (Am 9. Juni und 10. Juni 2019) Schawuot bildet den Abschluss der Frühlingsfeste, zu denen Pessach und das Omer-Zählen gehören. Das Zählen des Omer (das rituelle Zählen eines jeden der 49 Tage zwischen den jüdischen Festen Pessach und Schawuot) beginnt unmittelbar am auf den ersten Tages Pessach folgenden Tag und endet am Abend von Schawuot, es verbindet diese zwei großen Feste.
An Pessach erhielt das jüdische Volk die Freiheit aus der Sklaverei und an Schawuot die Tora am Sinai. Die Freiheit war somit Voraussetzung für den Erhalt der Tora. Der tiefere Sinn der Befreiung aus Ägypten war, das Volk nach Sinai zur Offenbarung der Zehn Gebote und damit zu G-tt hinzuführen. Alle Bräuche, die in dieser Zeit von Schawuot begangen werden, stehen in symbolischer Beziehung zu den Ereignissen am Berg Sinai. Am ersten Abend von Schawuot bleiben Juden die erste Nacht von Schawuot über wach, um Tora und deren Kommentare zu studieren.
Traditionell wird Milch getrunken, dazu werden milchige Speisen (Eierkuchen mit Quark, Käsekuchen usw.) gegessen. Es gibt dafür eine Reihe von Erklärungen: Die Tora wird mit Milch verglichen, die das Volk Israel wie ein unschuldiges Kind begierig trinkt. Ferner waren die Juden mit dem Geben der Tora an Schawuot verpflichtet, die Gesetze der Kaschrut einzuhalten. Da die Tora am Schabbat übergeben wurde, war das Schlachten von Tieren und das koscher machen der Kochutensilien verboten. Darum aßen die Juden an diesem Tag milchige Speisen. Außerdem sind sie insofern wichtig, da der numerische Wert des Wortes Chalaw (Milch) 40 ist und Moses 40 Tage am Berg Sinai warten musste, bevor er die Gebote Gottes erhielt. Da Schawuot ein Erntefest ist, ist es auch Brauch, das Haus und die Synagoge mit Früchten, Blumen und grünen Zweigen zu schmücken. Darüber hinaus soll es den Berg Sinai symbolisieren, der bei der Übergabe der Tora voll mit blühenden und duftenden Blumen und Gras bedeckt war.
Rosch Haschana, Jom Kippur, Sukkot, Hoschana, Rabba, Simchat Torah
Vom ersten Schofarton an Rosch Haschana bis zum letzten begeisterten Tanz an Simchat Tora ist Tischrei die ereignisreichste Zeit im jüdischen Jahr – der Monat der Stärke. Die Feiertage im Tischrei sind mehr als nur eine Erinnerung an die Vergangenheit. Jeder von ihnen eröffnet eine unmittelbare Verbindung zu einer spannenden Zukunft und fordert uns auf, das Unsere zu tun, um die Welt zu Heiligkeit und Harmonie zu bringen. Die Tora ist dabei der Leitfaden und ihre Mitzwot (G-ttes Gebote) sind die Werkzeuge; der Monat Tischrei ist voll von diesem Potential. Tritt ein in das jüdische Jahr und erschließe die Kraft dieses starken Monats!
Die letzten Sommertage sind eine „Aufwärmphase“ für den Monat Tischrei. Elul ist der Monat, in dem wir unsere seelischen Motoren für das nächste Jahr bereit machen. Im Elul erleben wir unsere erste Rückkehr zu G-tt erneut: Nach dem Auszug aus Ägypten stieg Mosche dreimal auf den Berg Sinaj. Beim ersten Mal, an das Schawuot erinnert, bekam er die Tora. Das zweite Mal bat er G-tt um Vergebung, nachdem das jüdische Volk das goldene Kalb gemacht hatte. Am ersten Elul stieg Mosche ein drittes Mal auf den Berg, damit G-tt das Volk gnädig wieder annehmen solle. Er blieb vierzig Tage oben, den ganzen Elul hindurch bis Jom Kippur, als die Sünde „ausradiert“ wurde. So ist der Monat Elul eine besondere Zeit der Gnade – eine günstige Zeit für ernsthaftes Gebet, das leicht an G-ttes Ohr dringt.
Auf dem Rückweg zu seinem Palast geht ein König durch die umliegenden Felder und grüßt seine Untertanen. Wenn er in seinem Palast auf dem Thron sitzt, ist er schwer zugänglich; nur denjenigen, die seiner Aufmerksamkeit würdig sind, wird eine Audienz gewährt. Aber wenn der König in der Öffentlichkeit auftritt, kann jeder sich ihm nähern. Im Elul ist „der König auf dem Feld“: der G-ttliche „König der Welt“ ist für jeden erreichbar, der sich ihm nähert, und gnädig nimmt er unsere Wünsche an und gewährt unsere Bitten.
• Das Schofar wird wochentags an jedem Morgen geblasen, nicht jedoch am Schabbat und am Tag vor Rosch Haschana.
• Wir geben an jedem Wochentag mehr Zedaka als sonst.
• Von Sonntag bis zum Vortag von Rosch Haschana werden früh am Morgen Selichot gesagt, besondere Bußgebete. (Sefardim beginnen mit Selichot bereits am ersten Tag des Monats Elul.)
• Elul ist die ideale Zeit, Mesusot und Tefillin von einem professionellen Schreiber überprüfen zu lassen.
• Wir untersuchen auch uns selbst von innen heraus, denken über das vergangene Jahr nach und fassen Vorsätze für das kommende Jahr.
Rosch Haschana
Rosch Haschana ist das Tor zum neuen jüdischen Jahr. Dieser Tag erinnert an die Erschaffung der ersten Menschen, Adam und Chawa (Eva), und ermöglicht es uns, uns zu erneuern, uns dazu zu verpflichten, das Beste, wozu wir fähig sind, zu verwirklichen. Wörtlich bedeutet Rosch Haschana nicht „Neujahr“, sondern „Kopf des Jahres“. So wie der Kopf das Zentrum bewussten Lebens ist und den ganzen Körper kontrolliert, so vermittelt Rosch Haschana Leben und Kraft für das ganze Jahr. Es ist ein starker Tag in einem starken Monat, eine Gelegenheit für uns, uns zu öffnen und uns dem Allmächtigen mit unseren Bitten um alles Gute im kommenden Jahr zuzuwenden.
An Rosch Haschana betreten wir den großen Saal des Königs, und in unseren Gebeten in der Synagoge verkünden wir die Herrschaft G-ttes. Wir freuen uns über ihre Erneuerung und wünschen einander zuversichtlich Segen für ein gutes und süßes Jahr.
Am Berg Sinaj, bei der Belagerung von Jericho und bei der Krönung von Königen rüttelte der durchdringende Ton des Schofars das jüdische Volk auf und rief es zusammen. Der grelle Klang des Schofars durchdringt Worte und Rechtfertigungen und gelangt direkt zur Seele. Die „Tekia“, ein einfacher, ungebrochener Ton, ähnelt einem Schrei aus der Tiefe des Herzens. Die gebrochenen Töne „Schewarim“ und „Terua“ erinnern an bitteres Schluchzen und Stöhnen. Und zum Schluss kommt die „Tekia Gedola“, ein langgezogener Ton, der an das Große Schofar denken lässt, das ertönen wird, wenn das ganze jüdische Volk bei der Ankunft des Maschiach aus der Zerstreuung in unser Heiliges Land eingesammelt wird.